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40 Tage nach dem 11. August. Text des Tages: "Argentinischer Nachklang"
4 Tage nach dem 11. August. Text des Tages: "Bilder aus Kathmandu"
3 Tage nach dem 11. August. Text des Tages: "Alle Glocken führen nach Rom?"
2 Tage nach dem 11. August. Text des Tages: "Links nach Argentinien"
1 Tag nach dem 11. August. Text des Tages: "Die Prozession vom Dach der Welt"
Heute ist der 11. August. Text des Tages: "TLZ Interview mit dem Glöckner von Apolda"
Noch 1 Tag bis zum 11. August. Text des Tages: "Buenos Aires auf noch höheren Touren"
Noch 2 Tage bis zum 11. August. Text des Tages: "Lützelflüh und Kathmandu"
Noch 3 Tage bis zum 11. August. Text des Tages: "Das Veranstaltungskonzept und wie Apolda
allmählich in Schwingung gerät"
Noch 4 Tage bis zum 11. August. Text des Tages: "Buenos Aires auf Hochtouren"
Noch 5 Tage bis zum 11. August. Text des Tages: "Von
Glocke zu Glocke"
Weltumspannendes Konzert
Was haben Buenos Aires, Dresden, Köln, Dar es Salaam und das 273-Seelen-Dorf Großromstedt im Weimarer Land gemein? Sie alle haben Glocken aus Apolda, und sie alle sind Teilnehmer beim „Apoldaer Weltglockengeläut“ am 11. August 2007– wie auch Magdeburg, Rom, Boston, Lützelflüh im Emmental, Kathmandu in Nepal und Tanunda in Südaustralien …
Die Apoldaer Glockengießertradition lebt alle vier Jahre mit einer
Hommage an die weltweite Glockenkultur neu auf. Zum dritten Mal nach
1999 und 2003 wird die thüringische Kleinstadt zur Schaltstelle eines
weltumspannenden Konzerts mit dem Reiz des Experimentellen. Seinem
Namen wird das „Weltglockengeläut“
gerecht, weil es nicht nur auf dem Marktplatz von Apolda, sondern auf
simultanen Glockenfesten in aller Welt stattfindet, und weil man es
dank Internet und TV-Übertragung überall auf der Welt miterleben kann.
Unter dem Titel „Glocken sind Musik“
überträgt das MDR-Fernsehen die Veranstaltung live mit Ü-Wagen in
Apolda, Dresden und Magdeburg sowie mit Einspielungen und Schaltungen
zu Glockenpartnern aus Nah und Fern. Von 15.15 – 16.30 Uhr geht die
aufwändige Live-Sendung über den Äther. Außerhalb des MDR-Sendegebiets
ist das Konzert als Live-Streaming bei MDR-Online ebenfalls von 15.15 –
16.30 Uhr
im Internet anklickbar. Alle Infos dazu bei
www.mdr.de.
Komposition „Von Glocke zu Glocke“
Der größte Schatz der Glocken ist ihr Klang, der auch nach hundert oder
zweihundert Jahren nichts von seiner Fülle und Lebendigkeit einbüßt.
Das gilt für Glocken Glockenspiele (= Carillons) aus fernen Kontinenten
genauso wie für die in der Umgebung Apoldas. In Zusammenarbeit mit
regionalen Kirchgemeinden findet eine Woche vor dem Weltglockengeläut,
am 5. August, eine „Glockenwanderung“
statt. Gepilgert wird zu den Kirchen in Weiden, Rannstedt, Großromstedt
und Rastenberg. Tonaufnahmen dieser Geläute verwenden die Musiker Gert
Anklam, Silke Gonska und Frieder W. Bergner gemeinsam mit den
Tänzerinnen Beate Gatscha und Madlen Werner von „Devi Dance“ für die Komposition „Von Glocke zu Glocke“, die am 11. August Premiere hat.
Programm
Zur Eröffnung des Weltglockengeläuts, von 14.55 bis 15.00 Uhr, erklingt
das Geläut der Apoldaer Lutherkirche mit seinen drei symbolträchtigen
Glocken aus drei Jahrhunderten, die von der Kunst der Apoldaer
Glockengießer Rose (1722), Ulrich (1870) und Schilling (1950) zeugen.
Der Dreiklang in der Stimmung „e“, „gis“ und „cis“, ist in der ganzen
Stadt zu hören und ruft zum Besuch des Weltglockengeläuts.
Zuvor, um 14.30 Uhr, findet in der Lutherkirche eine Andacht statt.
Im Bühnenprogramm wechseln Auftritte in Apolda mit zugeschalteten
Beiträgen, die gut sichtbar auf eine große Videowand am Rathaus Apolda
übertragen werden. Glocken aus fünf Kontinenten, aus unterschiedlichen
Zeiten und Kulturen werden musikalisch, optisch und choreografisch
interpretiert. Beeindruckende Visualisierungen von Glockenklängen
steuern Mark Fischer aus den USA und die „Bauhaus Bell Group“
bei. Durch die Veranstaltung in Apolda führt Blanka Weber, bekannt als
Moderatorin des MDR-Thüringen-Journals. Vor und auf der Bühne sind
zudem die Mitglieder des skurril-genialen „Modetheater Gnadenlos Schick“ aus Weimar aktiv.
Von Magdeburg bis Buenos Aires
Jede der vorgestellten Glocken hat ihren eigenen Klang, ihren
zeitgeschichtlichen Bezug und ihre Bedeutung für das Leben der
Gemeinschaft. Die Teilnehmer des Weltglockengeläuts machen vor allem
die facettenreiche Verbindung zur Musik deutlich.
Magdeburg. Auf
dem 47-stimmigen Turmglockenspiel im Rathaus erklingt die „Ode an die
Freude“– wie schon 1974, als sich zur Einweihung fast hunderttausend
Menschen auf dem Alten Markt drängten. Als junger Mann schaute damals
Frank Müller dem Glockenspieler über die Schulter, jetzt bedient er
selbst die Tasten. Das Magdeburger Glockenspiel war das erste, das vom
Ehepaar Peter und Margarete Schilling für eine Stadt der damaligen DDR
projektiert wurde.
Dresden.
Die mächtigen Glocken der Kreuzkirche, 1899 von Franz Schilling in
Apolda gegossen und 28.810 kg schwer, inspirierten den Kreuzkantor
Oskar Wermann (1840-1906) zu einer „Fuge über die Töne des
Glockengeläuts der Kreuzkirche zu Dresden: E, G, A, H, D“. In einer
Einspielung des heutigen Kreuzorganisten Holger Gehring wird das Stück
nach Apolda und parallel ins Fernsehen übertragen.
Boston. Der
in Harvard lehrende Musiker Prof. Hans Tutschku aus Weimar steuert eine
elektroakustische Komposition auf einem russischen Glockenspiel aus dem
17. und 18. Jahrhundert bei. Es stammt aus dem 1282 gegründeten
Danilov-Kloster, wurde nach der Revolution verkauft und war
jahrzehntelang auf den Campus der Harvard Universität. Kürzlich wurde
es an den Ursprungsort zurück gebracht – im Tausch gegen eine in
Russland neu gegossene Kopie.
Lützelflüh.
Wie schon 2003, wird das von Paul Christ und Thomas Bertschi vom
„Rainbow Project“ inszenierte Glockenfest aus dem Dorf im Schweizer
Emmental zugeschaltet, mit dem Geläut der Gotthelf-Kirche von
Lützelflüh, vielen Glockentönen der Besucher, der Treichelgruppe
Schwanden mit ihren mächtigen Kuhglocken, der Trachtengruppe Schwanden,
mit Beat Weyeneth und seinen Steinglocken, der Berner Tanzmusik sowie
den nepalesischen Gastmusikern Navaraj Gurung (Tabla) und Shyam Nepali
(Sarangi).
Rom. Drei Schilling-Glocken aus Apolda in den Tönen „h“, „d“, „e“, die exakt dem Geläut der Wittenberger Schlosskirche nachgebildet sind, erklingen in der evangelischen Christuskirche in Rom. Sie ist die erste lutherische Kirche nach der Reformation, in der ein Papst gepredigt hat: Am 3. Advent des Jahres 1983 setzte Papst Johannes Paul II als Bischof von Rom dieses Zeichen. Zum Weltglockengeläut begleitet der römische Musiker Roberto Laneri und die Tänzerin Betty Lo Sciuto die Glocken.
Kathmandu. Live in Bild und Ton präsentiert der Künstler Salil Kanika mit einheimischen Performern einen „nepalesischen Glockentanz“ vor dem berühmten buddhistischen Swayambunath-Tempel. Die dortige Glocke stammt zwar nicht aus Apolda, sie spielt aber eine bedeutende Rolle in der Glockenkultur Asiens. Hier findet als Beitrag zum Apoldaer Weltglockengeläut das farbenprächtige „EarthBeat World Bell Festival“ statt, mit Glocken und Trommeln von Himalaja-Schamanen, tibetanischen Mönchsgesängen, traditionellen Newari-Tänzern, zeitgenössischen Folk-, Fusion- and Rockmusikern, Dichtern und Performancekünstlern.
Buenos Aires. Zum
großen Finale schaltet das Weltglockengeläut nach Argentinien. Auf dem
Dach des Stadtparlaments von Buenos Aires erklingt auf einem 1930 von
Schilling & Söhne in Apolda gefertigten Glockenspiel die
Tango-Melodie „El Choclo“ von Ángel Villoldo. Extra fürs
Weltglockengeläut wird das Carillon mit 30 Glocken und einem
Gesamtgewicht von 27.350 kg derzeit wieder instand gesetzt und von
Señor Carlos María Morelli, dem argentinischen Maestro des
Glockenspiels, zum Klingen gebracht. Wenn auf der Videowand die
Tanzpaare zu sehen sind, die sich in Buenos Aires zum Glocken-Tango
wiegen, dürfte der Funke auch nach Apolda überspringen: Dort bereitet
Carlos Tapia eine parallele Tango-Choreografie vor, begleitet von der
argentinischen Band „Sexteto Milonguero“. Der „Weltglockentango“, im
Wechsel zwischen Buenos Aires und Apolda, beschließt die
MDR-Fernsehübertragung.
Das Internet-Publikum wird vom „Sexteto Milonguero“ eine halbe Stunde länger, bis 17.00 Uhr, mit argentinischer Tangomusik
verwöhnt. Selbst dann ist in Apolda nicht Schluss: Andreas Max Martin
und Band aus Weimar geben ein ausgiebiges Nach-Konzert. Dass bei einem
so reichhaltigen Programm auf dem Marktplatz für Essen und Trinken
gesorgt ist, versteht sich von selbst.
Glockengalerie
Die Galerie historischer Glocken, die zwischen 1722 und 1988 in Apolda
gegossen wurden, umfasst circa 20.000 Exponate, verteilt auf Standorte
auf allen Erdteilen. Aus dieser Sammlung werden beim Weltglockengeläut
einige Repräsentanten vorgestellt, z.B. die Schilling-Glocken in der
Azania Front Cathedral in Dar es Salam, Tansania und der Tabor Lutheran
Church in Tanunda, Australien. Es darf darüber hinaus mit kurzfristig
ins Programm aufgenommenen „Überraschungsglocken“ gerechnet werden.
Einen Grund, den Aufenthalt in Apolda auszudehnen, liefert am Tag nach
dem Weltglockengeläut das Apoldaer Glockenmuseum. Dort findet am 12.
August um 11.00 Uhr ein Ausklang-Konzert statt. Olaf Sandkuhl aus
Rostock gastiert mit seinem 37 Bronzeglocken umfassenden mobilen
Glockenspiel im idyllischen Museumsgarten inmitten großer, alter
Glocken und gekühlter Getränke.
Veranstalter, Schirmherr und „Weltglockenpils“
Das Apoldaer Weltglockengeläut wird veranstaltet von der Stadt Apolda
und dem ideenreichen Kunstverein Apolda Avantgarde e.V., für Konzept
und Organisation ist wie 1999 und 2003 der Medienkünstler Micky Remann
verantwortlich.
Der Mitteldeutsche Rundfunk mit seinen drei Landesfunkhäusern in
Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt sorgt als Medienpartner für die
weltweite Übertragung. Als Schirmherr der Veranstaltung hat der
Thüringer Minister für Justiz Harald Schliemann einen Scheck
überreicht, finanzielle Unterstützung kommt auch von der Sparkasse
Mittelthüringen. Die evangelisch lutherische Kirche, regionale Firmen,
Institutionen und Privatleute engagieren sich ebenfalls. Passend zum
Anlass legt z.B. die Apoldaer Vereinsbrauerei ein „Weltglockenpils“ auf.
Glockenstadt Apolda
Auch wenn in Apolda heute keine Glocken mehr gegossen werden, sind dort
Tradition und Kultur der Glocken präsent – und das nicht nur, weil auf
der A4 zwischen Weimar und Jena die „Glockenstadt Apolda“
ausgeschildert ist. Das Glockenmuseum ist ein Besuchermagnet, am
Stadthaus hängt ein Glockenspiel – das am 11.8. von 14.00 – 14.30 Uhr
zu hören sein wird –, die Bücher der Glockenhistorikerin Margarete
Schilling aus der Apoldaer Glockengießerfamilie sind international
anerkannte Standardwerke, ihre Ausstellung mit Dokumenten und Bildern
zur Schillingschen Gießerei zeigt die VR Bank Apolda.
Last
not least verschafft das im Vierjahresrhythmus stattfindende Apoldaer
Weltglockengeläut dem guten Klang der Glocken eine neue Resonanz und
viele neue Freunde.
Weltglocken-Vorgeschichte
Das erste Weltglockengeläut 1999 war Teil des Programms der
europäischen Kulturstadt Weimar. 2003 wurden Glocken aus Australien,
Namibia, USA, Nepal, Bali und der Schweiz von musikalischen Paten
begleitet. Eine Hauptrolle spielte der „decke Pitter“
im Kölner Dom, die 1923 von Ulrich in Apolda gegossene, größte frei
schwingende Glocke der Welt. Sie wird nur zu seltenen Anlässen
geläutet, wobei nicht nur die Kölner eine Gänsehaut bekommen. Dem „decken Pitter“ wird wieder ein Ehrenplatz beim Weltglockengeläut 2007 eingeräumt.
Klänge wie Wellen …
Der 11. August 2007 steht unter einem Motto, mit dem das Apoldaer Weltglockengeläut zum Begriff geworden ist: „Glocken sind Musik, Glocken verbinden, Glocken lassen aufhorchen.“
Wen können sie erreichen? Für die Veranstaltung auf dem Marktplatz
Apolda wird mit mehreren tausend Besuchern gerechnet. Zusammen mit dem
TV- und Internet-Publikum und den internationalen Partnerorten lässt
sich über die tatsächliche Verbreitung aber nur spekulieren.
Mit
zeitgenössischer Technik breiten sich die Klänge wie Wellen über Stadt
und Land in alle Welt aus, bis ihr Echo zum Ausgangspunkt zurückkehrt –
darin besteht für alle Teilnehmer der Reiz des Weltglockengeläuts.
Von
Glocke zu Glocke: eine klangliche Wanderung in die Region Apoldas
Am 5. August fand wie angekündigt im Vorprogramm des Apoldaer
Weltglockengeläuts eine Glockenwanderung zu den Geläuten der
Gemeinden Weiden, Rannstedt, Großromstedt und Rastenberg statt.
Dabei konnten die Besucher die Glockentürme der jeweiligen Kirchen
besteigen und bestaunen und etwas über die wechselvollen
Glockengeschichten erfahren. Doreen Tittel begleitete mit dem
MDR-Fernsehteam alle vier Stationen der Glockentour – am selben Tag
um 19.00 Uhr konnte man ihren Bericht schon im Thüringen Journal
sehen.
Die erste Station war um 9 Uhr 30 die höchst idyllische, von
Künstlern und Architekten vor dem Verfall bewahrte St. Cyriacus
Kirche in Weiden. Hier begrüßte die Superintendentin des
Kirchenkreises Apolda-Buttstädt, Bärbel Hertel, die Besucher und lud
zu einer gemeinsamen Andacht ein. Nach einem kleinen Vortrag zum
Geläut – bestehend aus einer kleineren Glocke mit der Inschrift
„SOLI DEO GLORIA“, die 1776 von den Gebrüdern Ulrich in Apolda
gegossen wurde, und einer größeren aus dem Jahr 1921, die von
Meister Stoermer stammt – durfte der Glockenturm bestiegen werden.
Man konnte die Vibration sogar in den Füßen spüren, als jetzt die
Glocken angeschlagen wurden, per Handarbeit, mit einem starken Seil.
Bärbel Hertel führte dann um 11 Uhr auch die Andacht in der St.
Michaels Kirche in Großromstedt, begleitet von festlichem Orgelspiel
und strahlender Sonne. Auch in Großromstedt konnte der Glockenturm
besichtigt werden, Herr Dipl.Ing. Ernst Fauer, Glockenfan aus Apolda
(der nicht „Experte“ genannt werden möchte) teilte dem im Turmgebälk
versammelten Publikum sein Wissen über Herkunft, Klang und Legenden
der Glocken mit. Dass das Geläut aus drei Glocken heute in dieser
Form bewundert werden kann, verdanken die Großromstedter einer guten
Wendung der Geschichte. Schon Ernst August I., Herzog von
Sachsen-Weimar, war von dem Klang der Berger-Glocke aus dem Jahr
1655 so begeistert, dass er sie gegen den Willen der Großromstedter
nach Weimar holen ließ. Dort fing die entführte Glocke nach der
Legende nachts von selbst zu läuten an und brachte fortan mehr
Unheil als Freude, so dass der Herzog sie wieder zurückbringen ließ.
Zwei weitere Glocken von Ulrich und Schilling kamen im Lauf der Zeit
dazu. Im zweiten Weltkrieg lagerten sie mit tausenden anderen
Turmglocken auf einem „Glockenfriedhof“ bei Hamburg und sollten als
Metallreserve zu Kriegszwecken eingeschmolzen zu werden.. Nur wenige
wertvolle Glocken konnten vor dem Einschmelzen bewahrt werden – so
auch die Glocke von Großromstedt. Ein älterer Herr aus der Gemeinde,
der damals beim Rücktransport der Glocken half, war auch bei der
jetzigen Glockenandacht dabei.
Zwei der ursprünglich drei Glocken des Geläuts der
Auferstehungskirche in Rannstedt – die dritte Station der
Glockenwanderung – konnten dem Einschmelzen nicht entgehen. Die
letzte Glocke aber erklingt wieder im kürzlich sanierten
Glockenstuhl. Sie wurde 1919 von Ulrich in Apolda gegossen. Der
Glöckner der Auferstehungskirche nennt sie liebevoll „seine Lady“
und brachte sie für die Anwesenden in Schwingung, ehe man sich bei
Rostwurt und Salaten stärkte, die von Pastorin Barbara Schlenker
mitgebracht wurden.
Auf der letzten Station der Glockentour in der Evangelischen Kirche
in Rastenberg hielt der Weimarer Pfarrer Dr. Christoph Victor die
Andacht. Er konnte von einer sehr persönlichen Beziehung zu den
Glocken berichten – nach dem Abitur hatte er 1964 in der Apoldaer
Glockengießerei Schilling gejobbt und dort jede Stufe des
Glockengusses mitbekommen. Die drei Glocken in Rastenberg wurden
1826 von Ulrich aus Apolda aus der Bronze von Vorgängerglocken, die
dem großen Brand in Rastenberg zum Opfer gefallen waren, neu
geschmolzen.
Die Fortsetzung der Glockentour, auf die wir gespannt sein können,
findet in Form eines Musikworkshops statt: Tonaufnahmen der
besuchten Geläute aus Weiden, Rannstedt, Großromstedt und Rastenberg
verarbeiten die Musiker Gert Anklam, Silke Gonska und Frieder W.
Bergner gemeinsam mit den Tänzerinnen Beate Gatscha und Madlen
Werner von „Devi Dance“ zur Komposition „Von Glocke zu Glocke“, die
am 11. August in Apolda Premiere hat. Dazu kommen die Künstler ab
Montag zu einem intensiven Musikworkshop in der Maloca Auerworld in
Auerstedt zusammen.
(Text: Sofia Shabafrouz)
Die Vorbereitungen in Buenos Aires laufen auf Hochtouren
(Dieser Text des Tages stammt von Christina Hirschberg. Sie war für das Apoldaer Weltglockengeläut auf Glockenmission in Buenos Aires und ließ sich von dem etwas in Vergessenheit geratenen Glockenspiel im Stadtparlament faszinieren. Sie begann an allen Drähten zu ziehen, damit es wieder repariert und für alle hörbar sein wird. Wie es aussieht, steht dem Erfolg ihrer Mission nun nichts mehr im Wege.)
Nun sind es nur noch vier Tage bis zum Apoldaer Weltglockengeläut und in Buenos Aires wird noch eifrig geprobt und geschraubt. Das Glockenspiel der argentinischen Hauptstadt bildet das „große Finale“ des Festivals. Dabei wird die Tangomelodie „El Choclo“ auf dem Glockenspiel von Buenos Aires uraufgeführt werden. Professionelle Tangotänzer tanzen dazu live unter freiem Himmel. Das Spektakel auf dem Dach des Stadtparlaments wird per Live-Schaltung im MDR Fernsehen und bei MDR Online im Internet in alle Welt übertragen.
Täglich übt der argentinische Meister-Carillonneur Carlos María Morelli auf den 30 Glocken des aus Apolda stammenden Glockenspiels. Die Tango-Tänzer studieren konzentriert ihre Performance ein. Sie soll am Samstag taktgenau sitzen und mit der gleichzeitig auf dem Marktplatz in Apolda stattfindenden Tanzperformance von Carlos Tapia gezeigt werden.
Die Zeit rennt. Noch klingt das Glockenspiel von Buenos Aires nicht ganz so, wie es soll. Zehn Jahre lang war es verstummt, wurde aber seit Mai 2007 wieder repariert. Zum Weltglockengeläut soll alles rechtzeitig fertig sein. In diesen Stunden werden die letzten Probleme an den Glocken behoben. Zum Glück sind es nur noch Feinjustierungen. Das gute Gehör von Maestro Morelli liefert wertvolle Anweisungen für die Techniker, die an dem optimalen Klang jeder Glocke tüfteln. Die Proben des Glockenspiels bleiben natürlich nicht unbemerkt. Viele Porteños, die Stadtbewohner Buenos Aires, wundern sich schon, was da oben auf dem Dach des Stadtparlaments seit mehreren Wochen vor sich geht. Und die Spannung steigt: Wie wird der „Weltglockentango“ wohl am Samstag klingen?
Aktueller Nachtrag (10.08.)
Viel Wirbel wird im Stadtparlament um das Apoldaer Glockenspiel
gemacht: 300 geladene Gäste, zwei Großleinwände, um beim Ereignis
live dabei zu sein, und sogar eine Ausstellung zur Geschichte des
Glockenspiels. Aus der Teilnahme am Weltglockengeläut 2007 ist ein
politischer Akt geworden. Die Prominenz der argentinischen
Hauptstadt wird zur feierlichen Einweihung des reparierten
Glockenspiels erwartet. Die Porteños (Einwohner von Buenos Aires)
sind stolz auf ihr Glockenspiel und wollen es gebührend feiern. Da
wird es schon fast zu eng auf der Pergola des Gebäudes!
Und wer die ganze Geschichte des Glockenspiels von Buenos Aires erfahren will, der lese den Hintergrundbericht von Christina Hirschberg (alle Rechte bei der Autorin):
Das Glockenspiel von Buenos Aires
Eine Reise ans andere Ende der Welt
Wie ein großes Tortenstück ruht das Gebäude in der Innenstadt am »Plaza de Mayo« zwischen der Straße Hipólito Yrigoyen, Perú und der Avenida Julio A. Roca. Am 18. November 1926 wurde der Grundstein für das neue Regierungsgebäude »Concejo Deliberante de Buenos Aires« gelegt. Damals bestand der Wunsch, den monumentalen Turm mit einem Glockenspiel und einer Turmuhr zu schmücken. Wie gerufen kam der Importeur »Heriot«, der als Vertreter der deutschen Turmuhrenfabrik und Glockengießerei »J. F. Weule« den Auftrag von Argentinien nach Bockenem am Harz vermittelte. Die Verträge wurden abgeschlossen, und der junge Uhrmacher Wilhelm Carl Heinrich Bornemann reiste im Juli 1930 nach Buenos Aires. Dort sollte er die elektromechanische Turmuhr installieren. Es folgte der Auftrag, fünf Turmglocken und ein Glockenspiel aus Deutschland für Buenos Aires zu besorgen. Da die Firma »J. F. Weule« nur Stahlglocken und keine Bronzeglocken produzierte, reichte sie den Auftrag an die berühmte Glockengießerei »Franz Schilling Söhne« in Apolda weiter. Sie sollte für Buenos Aires das seinerzeit größte Glockenspiel des südamerikanischen Kontinents und vor allem ein größeres als in Chicago gießen.
1930 waren die 30 Glocken des Glockenspiels und die fünf Turmglocken für den Transport auf die südliche Halbkugel fertig. Bevor alles verschifft wurde, reiste ein argentinischer
Musiker namens Prof. Don Carlos Pellicer nach Deutschland, um den Klang des Glockenspiels zu inspizieren. Nach gelungener Mission fuhr er per Schiff mit den Apoldaer Glocken von Hamburg zurück nach Argentinien.
Am 29. August 1930 brach der Monteur und Werkmeister Theodor Löhmann nach Buenos Aires auf, wo er für die Turmuhrenfabrik »J. F. Weule« die Installation des Glockenspiels und der Turmglocken betreuen sollte. Die Apoldaer Glocken erreichten am 30. September 1930 den Hafen von Buenos Aires. Die acht Glockenstühle blieben dort, weil den Bauherren der dafür erhobene Zoll zu hoch erschien und während der Weltwirtschaftskrise Geld knapp war. Ein paar Monate lang lagerten die Glocken wegen sozialer Unruhen im Hafen, bis sie der Architekt Héctor Ayerza gefahrlos in das Regierungsgebäude transportieren lassen konnte.
Der Umzug des Glockenspiels
Zehn Monate lang, von Januar bis Oktober 1931, wurde das Glockenspiel in Buenos Aires installiert. Damit die größte Glocke überhaupt in die Loggia des Turms passte, wurde eine Mauer durchbrochen. Nach rein ästhetischen Vorstellungen ordnete der Architekt Ayerza die Glocken kreisförmig in der Loggia an. »Er verzettelte sich rings um den Turm«, schreibt Theodor Löhmann in seinen Erinnerungen an die Aufhängung der Glocken. So konnten sie
zwar von allen Seiten gesehen, aber nicht im Zusammenspiel gehört werden. Eingepfercht auf dem Turm des Gebäudes geriet das Glockenspiel mit einem Gesamtgewicht von 27 350 kg wahrlich nicht in schöne Schwingungen. Der enttäuschte Architekt zweifelte an der Qualität der 30 Apoldaer Glocken und reklamierte bei der Firma »J. F. Weule«. 1931 reiste Friedrich Weule, der Enkel des Firmengründers, gleich zweimal mit dem Passagierdampfer »Cap Polonia« von Hamburg nach Buenos Aires, um das auf dem Spiel stehende Geschäft zu retten. Zwischenzeitlich hatte der Importeur »Heriot« Konkurs angemeldet. Die Glocken aus Apolda waren immer noch nicht bezahlt worden. Gemeinsam wurde beschlossen, ein provisorisches Eisengerüst für das Glockenspiel auf dem Dach des heutigen Stadtparlaments zu errichten. Monate später entfaltete das Glockenspiel seinen vollen Klang auf der Terrasse der Pergola, wo die Jury lauschte und begeistert war. Unten auf den Straßen war jedoch kaum etwas zu hören. Auf der Suche nach einem akustisch geeigneteren Standort wäre das Glockenspiel 1937 fast in den Park »Chacabuco« verlegt
worden, doch fehlte Geld und so zerschlugen sich die Pläne.
Die Turmglocken
Die Anordnung der fünf Turmglocken auf dem 97 m hohen Turm verlief hingegen ohne Probleme. Seit 1930 spielen sie stündlich die bekannte Westminster-Melodie. Die größte Schlagglocke »Argentina« hat ein Gewicht von 1 884 kg, die kleinere »Porteña« wiegt um die 1 000 kg. Benannt wurden die drei kleinen Glocken nach den Schiffen von Kolumbus, mit denen er die Neue Welt 1492 erreichte: »Santa Maria« (500 kg), »Niña« (350 kg) und »Pinta« (250 kg).
Ein Provisorium seit 76 Jahren
Das Glockenspiel ruht bis heute auf dem Dach der »Legislatura de la Ciudad Autónoma de Buenos Aires«, dem Stadtparlament von Buenos Aires. Seine 30 Glocken verteilen sich auf drei Ebenen des provisorischen Eisengerüsts unter freiem Himmel: Zehn unten, dreizehn in der Mitte und sieben Glocken oben. Die kleinste der Glocken wiegt 25 kg, die größte 4 800 kg. Die zehn größten Glocken tragen das Wappen des »Concejo Deliberante de Buenos Aires« als Glockenschmuck, die kleineren haben nur die Inschrift »CMXXX«. Alle Apoldaer Glocken sind mit dem Namen »Weule, Heriot, 1930« versehen. Die Gießermarke von »Franz Schilling Söhne« fehlt.
Im Verlauf seiner Geschichte war das Apoldaer Glockenspiel nur selten in Buenos Aires zu hören. Gelegentlich erklang es anlässlich von Festen oder Feiertagen. Das Glockenspiel kann auf zwei Arten gespielt werden: Entweder manuell über eine Klaviatur des Spieltisches oder automatisch über perforierte Papierrollen, auf denen per Stanzverfahren Melodien aufgezeichnet sind. Seit 1967 spielt der Organist Carlos María Morelli das Instrument und kennt seine Eigenheiten. Ein Glockenspiel zu spielen ist für ihn »wie einen Elefanten zum Tanzen zu bringen«.
Zwischen 1979 und 1980 spielte das Glockenspiel automatisch dreimal pro Tag Melodien für die Einwohner von Buenos Aires. Im Jahr 1980 wurde eine weitere Benutzung verboten, weil die korrodierten Halterungen der Glocken durch die Schwingungen zu brechen drohten. Bis 1986 konnten nur Tonbandaufzeichnungen des Glockenspiels über Lautsprecher vom Turm abgespielt werden. Ein letztes Mal erklang es am 25. Mai 1992 zum argentinischen Unabhängigkeitstag, bevor ein striktes Spielverbot verhängt wurde. Im Jahr 1997 ließ der damalige deutsche Botschafter Wiegand Pabsch das Glockenspiel restaurieren. Das Auswärtige Amt übernahm 65 % der Renovierungskosten für das deutsche Kulturgut. Sechs der dreißig Glocken waren so beschädigt, dass sie in Deutschland originalgetreu nachgegossen und ausgetauscht wurden. Der damalige Präsident des Stadtparlaments José Manuel Pico, der deutsche Botschafter Wiegand Pabsch und die geladenen Gäste feierten am 23. April 1997 die Einweihung des restaurierten Glockenspiels. Gespielt wurde die deutsche und argentinische Hymne, der Tango »El día que me quieras« und »Marcha de San Lorenzo«. Auch der deutsche Botschafter spielte zwei Lieder auf dem Glockenspiel: »Fröhlicher Landmann« von Robert Schumann und »Üb’ immer Treu und Redlichkeit« nach der Mozartschen Papageno-Melodie aus der Zauberflöte. Damit wollte er an das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche erinnern und an die Verantwortung für die Glocken in der argentinischen Hauptstadt appellieren.
Die Freude am Glockenspiel währte nur ein halbes Jahr, dann installierte die Regierung die neue Klimaanlage in unmittelbarer Nachbarschaft auf das Dach. Während der Arbeiten wurde das Haus mit dem Spieltisch abgerissen und das elektromechanische System des Glockenspiels beschädigt. Die Baustelle sei damals außer Kontrolle geraten, heißt es heute. Kaum jemand erinnert sich noch an den schönen Klang des Glockenspiels.
1998 reiste der spanische Komponist und Performance-Künstler Llorenç Barber nach Buenos Aires, um dort ein Konzert mit den Glocken des Regierungsviertels zu veranstalten. Auch das Glockenspiel des Stadtparlaments sollte an seiner Komposition »Será Buenos Aires« teilnehmen. Als er zwei Wochen vor dem Konzert in der Hauptstadt ankam, stellte er fest, dass es nicht mehr funktionierte. So improvisierte er und ließ die 30 Glocken am 29. Dezember 1998 mit Stricken läuten. Mit Stöpseln in den Ohren stand an jeder Glocke ein Helfer und versetzte sie springend in Schwingungen. Das Ganze dirigierten drei Direktoren mit Metronom und Partitur in der Hand. Danach verstummte es wieder für die nächsten neun Jahre.
2005 erließ das Stadtparlament ein neues Gesetz, um alle Kulturgüter des Gebäudes zu renovieren. Von Mai 2007 an haben Experten zum zweiten Mal das Glockenspiel restauriert. In Zukunft soll es fester Teil des Lebens von Buenos Aires sein.
Apolda im Glockenfieber und: Ein raffiniertes Konzept bedarf einer guten Koordination
Vorab: Wer am Samstag mit dem Auto nach Apolda kommen will und die Stadt noch nicht kennt, wird erfreut feststellen, dass das „Parkhaus Marktpassage“ direkt am Veranstaltungsort kostenloses Parken ermöglicht. Bis Mitternacht können Sie das Auto dort stehen lassen – ungefähr so lange ist in Apolda auch etwas los. Mit der Regionalbahn auf der stündlich befahrenen Strecke Eisenach-Halle ist Apolda auch mit der Bahn bequem zu erreichen.
Die Neugier wächst, „Presse, Funk und Fernsehen“, die berühmten drei, machen auf das Ereignis aufmerksam und viele fragen sich: Apoldaer Weltglockengeläut?
Was steckt denn da dahinter?
Die Veranstaltung bietet ein Wechselspiel zwischen Life on Stage- und Life on Air-Elementen, zu deutsch: Wer auf den Marktplatz von Apolda kommt, erlebt ein reichhaltiges Programm auf der Bühne und sieht die zugespielten Beiträge aus aller Welt auf der großen Videoleinwand. Und wer zuhause am Fernseher oder irgendwo auf der Welt am Internet-Computer sitzt, kann die wesentlichen Teile der Veranstaltung ebenfalls mitverfolgen – das typische Live-Kribbeln gibt es überall. Die vielen Mitwirkenden in Apolda und in der Welt haben sich mit dem filigranen Geflecht aus Veranstaltungs- und Sendebeiträgen vertraut gemacht, um die jeweiligen Einzelaufgaben zu bewältigen. Das erfordert eine ausgeklügelte Zusammenarbeit der Veranstalter mit den Fernsehteams vom MDR und Salve.tv und sekundengenaue Absprachen zwischen Technikern, Künstlern und den regionalen und internationalen Glockenpartnern in verschiedenen Zeit- und Klimazonen. Es gibt keinen Kontinent, der beim Weltglockengeläut am 11.08. NICHT vertreten ist!
Die MDR Live-Sendung (und das Internet-Streaming) beginnt um 15.15 Uhr und endet um 16.30 Uhr, die Veranstaltung in Apolda dauert länger: Von 15.00 – 22.00 Uhr ist auf der Bühne etwas los. Dem Apoldaer Publikum wird das Ereignis vorab erklärt, bevor der MDR um 15.15 Uhr auf Sendung geht.
Die MDR-Moderatoren Roswitha Lorenz und Daniel Baumbach berichten von ihrem Moderations-Platz im Publikum aus. Mit ihren Ansagen erreichen sie das TV- und Internetpublikum und erklären die einzelnen Beiträge. Blanka Weber, die Veranstaltungsmoderatorin, spricht von der Bühne aus sichtbar und hörbar zum Publikum in Apolda. Gelegentlich kommt es sogar zu Doppelungen: Die MDR-Moderatoren sprechen im Off zum TV-Publikum, während auf der Bühne etwas anderes passiert. Auf detaillierten Listen ist genau verzeichnet, wie und wann diese Veranstaltungsteile so ineinander greifen, dass sowohl das TV-Publikum als auch das Apolda-Publikum gut durch die Veranstaltung geführt wird.
Zum Teil läuft die Veranstaltung über „Public Viewing“ in Apolda – z.B. immer dann, wenn wir bei einer Live-Schaltung zu Glockenpartnern in aller Welt das MDR-Signal in Ton und Bild auf die Vidiwall übertragen. Damit alles gut rüber kommt betreibt der MDR einen hohen Aufwand für diese Sendung: Fünf Kameras sind auf dem Marktplatz platziert, zwei große Ü-Wagen mit Satelliten-Antennen parken in Nebenstrassen Apoldas.
Zusätzlich zum MDR-Programm haben wir – die Veranstalter – eigene Programmpunkte fürs Apoldaer Publikum vorbereitet, z.B. Live-Telefonate, vorproduzierte Filme und ein paar Überraschungen, die anstelle einiger MDR-Berichte und nach der MDR-Sendung anmoderiert und eingespielt werden.
Unser Mann an der Video-Zentrale mischt die Bilder und Beiträge für die große VidiWall. Er ist per Funk mit den diversen Kameras vom MDR und von Salve.tv verbunden. Sekundengenau muss er zwischen dem MDR-Signal, den Marktplatz-Kameras und den vorproduzierten Filmen wechseln. Da ist höchste Konzentration gefragt, sonst verliert man schnell den Überblick.
Die Apoldaer Glockenmeile
Das Konzept des weltumspannenden Konzerts sorgt dafür, dass die Glockenklänge am 11.08. von Apolda rund um die Welt gehen. Auf dem Marktplatz selbst können die Besucher Hunger und Durst stillen, dazu gibt es Infostände der Ko-Veranstalter Apolda Avantgarde e.V. und Stadt Apolda, der Lutherkirche und des Mitsponsors Toskanaworld. Für Ortsunkundige: Apolda liegt in der „Toskana des Ostens“. Damit sich der Klang der Glocken auch in der Stadt selbst ausbreitet, animiert der Mittelstandsverband der Stadt und Region Apolda die Händler und Gastronomen zu einer Glockenmeile mit langen Öffnungszeiten (bis 20 Uhr) und aktuellen Glocken-Specials (z.B. die exklusive Glockengießer-Teemischung im Spezialitätengeschäft „TeePotpourri“). Das eine oder andere Souvenir zum Apoldaer Weltglockengeläut kann hier erobert werden. Damit der positive Energieschub des Weltglockenkonzerts die Einwohner und Besucher Apoldas auf jeder Ebene erreicht, öffnen Bars und Restaurants die Türen und bieten neben gastronomischen Freuden bis in die späten Abendstunden ein Musikprogramm an, das die Atmosphäre vom Marktplatz einfängt. Die LiteraturWeinstube, Villa Opel und andere Lokalitäten halten den Glocken Groove am Laufen. Dazu kann man auch auf das auf 200.000 Flaschen limitierte „Weltglockenpils“ der Vereinsbrauerei Apolda zurück greifen.
Zu den mitwirkenden Apoldaer Unternehmen gehören:
TeePotpourri, Korb-Richter, Baby-Walther, Schmuck-Pocher, Schuhhaus Hohlstamm, Krake-Moden, Möbel-Bornschein, Pizzeria „Avanti“, Literatur-Weinstube, Goldschmiede Berger, EP-Wold, Deko-Gardinen Schiller, Sport-Bischof, Blumen-Maroldt, Enzmann, Spielwaren Papert, Tabak und Spirituosen Bamberg, Eiscafé La Gondola, Café Apart am Brühl, Nähkästchen Burkhard, Pizzeria und Geschenkeladen Ritterstraße, Westphal-Moden, Sport-Möller und Trend-Moden.
Weitere Informationen: www.apolda.de, www.apoldakompakt.de
(Text: Sofia Shabafrouz)
Lützelflüh und Kathmandu
Das Glockenfest von Lützelflüh hatte schon beim Apoldaer Weltglockengeläut 2003 für klangstarke Verbindungen zwischen dem Schweizer Emmental und dem Marktplatz in Apolda gesorgt. Am Samstag ist es wieder soweit. Die MDR-Moderatorin Doreen Kümpel wird live aus dem malerischen, wenn auch nicht völlig winzigen Dorf berichten, das sich mit der Glockenfest-Inszenierung von Paul Christ und Thomas Bertschi vom „Rainbow Project“ dem weltweiten Publikum präsentiert. Das Geläut der Gotthelf-Kirche von Lützelflüh wird ertönen und viele Glocken und Glöckchen der Anwesenden. Gespannt wird man auf die Kuhglocken-Performence der „Treichelgruppe Schwanden“ sein dürfen. Weitere Programmpunkte sind Beat Weyeneth mit seinen Steinglocken und die „Berner Tanzmusik“.
Besonders freut uns der Gastauftritt der nepalesischen Musiker Navaraj Gurung (Tabla) und Shyam Nepali (Sarangi) in der Schweiz, der zeigt, wie wahr das Motto “Glocken verbinden” doch ist: Zwischen Kathmandu (Nepal) und Lützelflüh (Schweiz) besteht überhaupt ein reger persönlicher und künstlerischer Austausch. So werden Bandkollegen der nepalesischen Gastmusiker in Lützelfüh in der folgenden Live-Schaltung aus Kathmandu zu hören sein. Obwohl sie räumlich einige Tausend Kilometer von einander entfernt sind, können sie ihre Auftritte im Internet als virtuelle Nachbarn verfolgen.
Als aus Apolda die Einladung kam, einen Beitrag zur globalen Glockenkultur zu leisten, haben die engagierten Freunde aus Lützelflüh und Kathmandu spontan und einfallsreich reagiert – obwohl in beiden Orten KEINE Glocken aus Apolda sind. Zumindest keine großen … Denn es besteht die Aussicht, dass einige der kleinen „Apoldaer Rohrglocken“ die beim Weltkonzert 2003 zum Einsatz kamen (Ausgangsmaterial waren von der Fa. Kössel gesponsorte, auf musikalisch gestimmte Längen zugeschnittene Heizungsrohre), jetzt ihren Weg nach Lützelfüh und Kathmandu gefunden haben… Aber wichtiger als aller Metallexport ist, dass die Welten- und Kulturen verbindende Idee des Apoldaer Weltglockengeläuts auf fruchtbaren Boden fällt.
Das scheint in besonderem Maße in Kathmandu der Fall zu sein, wo unser Partner, der Filmer und Musiker Salil Kanika, es offenbar verstanden hat, halb Kathmandu in eine Art Glockenrausch zu versetzen. Ein Blick auf das von ihm geplante nepalesische Glockenfest kann einen ins Staunen darüber versetzen, was ein kleiner Glockenruf aus Apolda alles bewirken kann: Ein gut zwei Stunden dauerndes, farbenprächtiges Programm ist daraus erwachsen und wird als "Earth-Beat-World-Bell-Festival" in Katmandu … ja wie viele Besucher wird es wohl anlocken, die dann in die Kamera „Hello Apolda“ winken? Salil Kanika wird mit einheimischen Tänzern zusammen einen „nepalesischen Glockentanz“ vor dem berühmten buddhistischen Swayambunath-Tempel darbieten. Traditionelle nepalesische Volkslieder, tibetanische Mönchsgesänge, rituelles Trommeln, Gesang- und Tanzdarbietungen der Himalaya Schamanen sowie Feuerkunststücke des Künstlers Saugat Malla sind nur ein Bruchteil dessen, was dort am Samstag vor sich geht, denn auch zeitgenössische Rap- und Rockmusiker sind mit dabei. Salil hat die Besucher dazu aufgerufen ihre eigenen Nepali Puja-Glocken mitzubringen um aktiv an dem Spektakel teilnehmen zu können.
Die Live-Übertragung besorgt übrigens der nepalische Fernsehsender NTV. Sieben Minuten lang sind wir per Satellit in Katmandu anwesend – und genau so lange sind die Glockentänzer aus Kathmandu weltweit zu sehen. Salil wird das Geschehen auf Englisch moderieren, am anderen Ende in Apolda wird Micky Remann, Organisator des Weltglockengeläuts, versuchen, die Mitteilungen ins Deutsche zu übersetzen.
Ob sich Medienkünstler Micky Remann bis zum nächsten Apoldaer Weltglockengeläut auch mit der Teleportation auskennt, um sich dann an mehrere Orte gleichzeitig beamen zu lassen, können und wollen wir an dieser Stelle nicht weiter erörtern.
(Text: Sofia Shabrafrouz)
Nachtrag: Gerade erfahren wir, dass die nepalesische Tageszeitung
„Kathmandu Post“ diesen Bericht zum Weltglockengeläut veröffentlicht
hat:
(zum Original bei www.ekantipur.com rechts oben auf "kathmandu post"
klicken und bei "city post" suchen).
Bells to toll from Swoyambhunath. Nepal joins World Bell Festival
Come this Saturday, August 11 and the top of the Swoyambhunath Stupa
in Kathmandu will be resonating with the sounds of Nepali bells as
Nepal joins the rest of the world in all its vibrant colors and
sounds to celebrate the worldwide bell culture. The festival, dubbed
EarthBeat World Bell Festival is being organized by artiste Salil
Kanika as a Nepali version of Apolda Global Bell Concert, the global
bell concert and art festival being held in the little German town
of Apolda every four years since 1999.
Salil informed that he had met media artiste Micky Remann, the
brains behind the concept and planning of Apolda Global Bell
Concert, through his friend Thomas Bertschi during the filming of
documentary Imagine Rainbow in Kathmandu.
“Micky had come to Nepal before and wanted to highlight Nepal
especially at this festival. Our ideas clicked and we decided to
organize it here too”, Salil explained. “And we chose Swoyambhu and
its eyes as a symbolic cultural place of Nepal. We want to promote
Nepal through this festival as it will give worldwide recognition to
our culture and also help foster tourism.”
The festival at Swoyambhunath Stupa will begin at 6 pm on Saturday
with a folk song recitation by the traditional Nepali Gandharva
musicians and continue with performances by various individuals as
well as Nepali ethnic groups showcasing Nepal's diverse bell
cultures and traditions. Salil will be doing bell dance and
performance arts while poets and artists will also be composing
poems and paintings on the occasion.
“I wanted to give the festival a colorful spectrum, so I have
invited artists, musicians, poets and different cultural groups to
represent our traditional bell culture”, said Salil, adding that
Nepali sarangi player Shyam Nepali and tabala player Nawaraj Gurung
will also be joining Thomas Bertschi at the festival in Lutzelfluh
village of Switzerland.
Being held for the first time in Nepal, the festival will be
connected to the rest of the globe through the live coverage by MDR
(Central German Broadcasting) TV channel of Germany and its
worldwide celebrations can also be watched as live-stream on the
Internet on MDR-Online, www.mdr.de.
Being organized under the title “Bells Are Music, Bells Bring People
Together, Bells Make People Listen”, the third edition of this
global festival is being held in Kathmandu as well as in Magdeburg,
Dresden and other German cities, Boston of USA, Moscow of Russia,
Lutzelfluh of Switzerland, Rome of Italy, Buenos Aires of Argentina
and Tanunda of Australia.
EarthBeat World Bell Festival
6 pm - Gathering with Nepali folk song recitations by Gandarva
Musicians
6:30 pm - Nepali Bell Prayer of 'Swoyambhu — The Self Arising
Buddha' by Ashok
Buddhacharya
6:45 pm - Performances of shamanic bells, drums, chants and dance
representing Himalayan shamanic tradition by Tamang shamans. Fire
eating and altered body experience of trance presented by theater
artiste Saugat Malla
7 pm - Prayer with horns gongs and cymbals by Buddhist Monks from
Karma Raj Mahavihar and Dewa Dharma Gompa
7:10 pm - Traditional Newari bells, drums, cymbals and dance
performance by Nasaa Troupe Coordinated by Rameshor Maharjan
7.35 - Body performance by Salil Kanika with didgeridoo and
improvised rhythm with the Nepali bell. Circling of the Stupa by
shamans, priests, monks, Newari musical troupe and the audience with
Nepali bells.
Buenos Aires auf noch höheren Touren
Christina Hirschberg, unsere deutsch-argentinische Glockendiplomatin im Welteinsatz, teilt soeben das Neuste aus dem (winterlichen) Buenos Aires mit:
" Folgenden Artikel fand ich in Argentiniens größter Tageszeitung: La Nación, 9. August 2007
http://www.lanacion.com.ar/informaciongeneral/nota.asp?nota_id=932894
Fantastisch! Berichterstattung in einem Medium vom Status vergleichbar mit FAZ oder Süddeutsche. Sogar er hat sich geäußert: Doctor Santiago de Estrada, Präsident des Stadtparlaments von Buenos Aires:
"Estábamos reparando el carillón y la pianola desde el año pasado cuando, hace tres meses, vino un delegado de Apolda y nos invitó a participar del concierto. Me pareció una buena oportunidad para el lucimiento internacional de Buenos Aires. Creo que seguro haciendo que suene será un atractivo para los turistas y para los porteños."
(schönes Zitat, siehe letzter Absatz)
Anbei der pure Text:
Volverá a sonar el carillón de la Legislatura porteña
Con motivo de un concierto internacional
Un particular sonido, pocas veces oído en la historia de la ciudad, irrumpirá pasado mañana en las calles de San Telmo, Monserrat, San Nicolás y Puerto Madero. Y, si el viento lo permite, todo indica que será un sorpresivo deleite para los vecinos y los turistas.
Luego de seis años en silencio, el imponente carillón de la Legislatura porteña volverá a sonar el sábado para participar en un concierto internacional de campanas que se realizará simultáneamente en siete ciudades del mundo, organizado por la ciudad alemana de Apolda, donde fueron fundidas en bronce las 30 campanas instaladas desde hace 76 años en el edificio de Perú 130.
De ellas se desprenderán los compases de los tangos El choclo y El día que me quieras , gracias a la pericia del organista Carlos María Morelli, encargado desde 1967 de ejecutar la pianola conectada con el carillón (una tecla por campana).
No es una misión sencilla, explica siempre el maestro: las obras deben ser adaptadas a sólo 30 notas, en lugar de las 61 de algunos órganos o las 88 del piano, y no se puede practicar, porque lo oyen todos...
Pasado mañana, las 27 toneladas de bronce, el peso total de las campanas, sonarán dos veces, acompañadas por varias parejas de bailarines que danzarán en la pérgola de la Legislatura porteña. Primero, aproximadamente a las 11.15, cuando la televisión alemana -que transmitirá el concierto en vivo- le dé entrada a Buenos Aires en el satélite. Segundo, a las 12.15, cuando la ceremonia sea repetida para un grupo de invitados especiales que se reunirá en el Palacio Legislativo.
El carillón porteño, que es el más grande de América latina y uno de los dos únicos instalados en todo el país (el otro está en la localidad de Mercedes), cerrará el concierto luego de que hayan tocado instrumentos similares en las ciudades alemanas de Magdeburgo y Dresde; Boston, Estados Unidos; Roma, Italia; la ciudad suiza de Lützelflüh y la nepalesa Katmandú.
Poco uso
Será la primera vez que las 30 campanas vuelvan a ejecutar partituras luego de, como se dijo, seis años. La última oportunidad en que lo hicieron fue el 3 de octubre de 2001, para el 70° aniversario del Palacio Legislativo.
No fueron muchos los porteños que, a lo largo de la historia, oyeron los sonidos del carillón. Tan pocas veces se desprendió música de sus campanas que, incluso, hay distintas versiones sobre cuándo fueron. La más repetida dice que las fechas fueron el 13 de julio de 1933, para despedir los restos del intendente Guerrico, que había sido velado en el entonces Concejo Deliberante; un día no precisado de 1968, el 25 de mayo de 1992 y en 1997.
Desde entonces y hasta 2000, el tradicional edificio porteño entró en refacción y también lo hizo el carillón. Fue reestrenado en 2001 por Morelli, que pasado mañana le arrancará melodías para el concierto, bautizado como "Toque de Campanas del Mundo", que se organiza cada cuatro años.
La intención del vicepresidente 1° de la Legislatura, el macrista Santiago de Estrada, es que, de ahora en adelante, el carillón siga alegrando a los porteños con dos o tres toques por día, como ocurrió entre 1979 y 1980, cuando funcionó mecánicamente con partituras grabadas en rollos perforados... por Morelli, el maestro de las campanas.
"Estábamos reparando el carillón y la pianola desde el año pasado cuando, hace tres meses, vino un delegado de Apolda y nos invitó a participar del concierto. Me pareció una buena oportunidad para el lucimiento internacional de Buenos Aires. Creo que seguro haciendo que suene será un atractivo para los turistas y para los porteños", dijo Estrada.
Por Angeles Castro
De la Redacción de LA NACION «
Und weiter berichtet Christina Hirschberg :
" Der Architekt, der die Reparatur des Glockenspiel geleitet hat, Hugo Sanchez, hat mir gerade bestätigt, dass sogar der deutsche Botschafter in das Stadtparlament eingeladen wurde. Übrigens tanzt Fabrizio Forti mit Susanne Lorenz den Glocken-Tango "El Choclo". Sie ist Deutsche, so ein Zufall!
Vor fünf Tagen hatte ich schon einen Zeitungsartikel aus Mercedes erhalten, der argentinischen Stadt mit der "Überraschungsglocke", zu der wir im späteren Programm morgen schalten werrden . "El Carillón de la Iglesia San Patricio se escuchará entre las campanas del mundo / Festival Internacional" aus der Regionalzeitung "Protagonistas", 6. August 2007). Darin wird im Detail über das Weltglockengeläut in Apolda berichtet. Es wurde sogar der Link zum Festival und Live-Stream genannt.
Ich habe noch einen anderen Artikel über das Glockenspiel von Buenos Aires in Clarín, der zweitgrößten Zeitung Argentiniens gefunden:
Clarín, 9. August 2007
http://www.clarin.com/diario/2007/08/09/laciudad/h-04901.htm
Anbei der pure Text:
EL SABADO A LAS 10.30, CON UN SHOW DE TANGOS
Vuelven a sonar las campanas de la Legislatura
Sus 30 campanas pesan casi 27 toneladas. La más voluminosa es la que corresponde a la nota La, con 4.800 kilos y 1,90 metro de altura, y la más pequeña es el Re sostenido, que pesa 25 kilos y mide 32 centímetros. El carillón de la Legislatura acaba de ser restaurado y este sábado a las 10.30 volverá a sonar para participar en una transmisión en vivo de la televisión alemana. El programa se emitirá desde distintas ciudades, como Roma, Dresden, Katmandú y Boston, donde existen carillones, que irán ejecutando melodías. El porteño se hará oír aproximadamente a las 11.45, cuando el organista Carlos María Morelli interprete los tangos El choclo y El día que me quieras.
El carillón del Palacio Legislativo se utilizó por última vez en 2001. "Ahora se le hizo una reparación general -dice el vicepresidente de la Legislatura, Santiago de Estrada-. Estaba abandonado y hubo que limpiarlo y arreglarlos. Dio bastante trabajo, pero fue una tarea artesanal que no requirió mucha inversión".
Los trabajos de la Unidad Ejecutora de Obras de la Legislatura duraron tres meses. Entre otras cosas, se repararon los tableros, el teclado que hace sonar las campanas -similar al de un órgano- y los sistemas de afinación.
El instrumento fue instalado en el edificio recién terminado del entonces Concejo Deliberante en 1931, bajo la intendencia de José Guerrico. En ese año, se lo consideraba el carillón más grande de América Latina. Durante medio siglo, tocó melodías populares. En 1933, se lo usó para interpretar la marcha fúnebre cuando murió Guerrico, que fue velado en el Concejo. Y entre 1979 y 1980 sonaba tres veces por día. Hasta que el mal estado del anclaje de sus campanas obligó a dejarlo sólo para ocasiones especiales. En 1997, tras cinco años de abandono, restauraron la estructura que lo sostiene con ayuda del gobierno alemán, pero pocos meses después volvió a caer en el olvido.
Ahora, siguiendo lo dispuesto por la ley 1.444, se incluyó la recuperación del carillón en un listado de obras para la puesta en valor del Palacio Legislativo de la Ciudad. Y se destinaron casi 50.000 pesos para la tarea.
Como desde 1967, el encargado de ejecutar el instrumento será Carlos María Morelli, acompañado por un grupo de bailarines. El desafío, como siempre, será hacer música con 30 notas, a diferencia de las 61 de algunos órganos o las 88 del del piano.
De Estrada anticipa: "La idea es que el carillón suene varias veces por día en forma automática, para que sea un atractivo turístico más de Buenos Aires".
Redacción: Nora Sánchez
TLZ Interview mit dem Glöckner von Apolda
Die TLZ (Thüringische Landeszeitung) veröffentlicht heute, am 11. August, im Kulturteil ein Gespräch mit Weltglockengeläutsorganisator Micky Remann:
Klöppel im Tango-Takt
Apolda. (tlz) Beim 3. Weltglockengeläut erklingen am heutigen Sonnabend auf dem Apoldaer Marktplatz Glocken von fünf Kontinenten, die einst in der thüringischen Stadt gegossen wurden. Die musikalische Installation, die von der Lutherkirche eingeläutet und mit einer Live-Übertragung aus Buenos Aires beendet wird, steht unter dem Motto "Glocken sind Musik, Glocken verbinden, Glocken lassen aufhorchen". Wir sprachen mit dem Initiator des Spektakels, dem Medienkünstler Micky Remann.
Herr Remann, von Ihnen stammt der Satz: "Was Weimar für die deutsche Klassik, ist Apolda für die globale Glockenkultur." Lehnen Sie sich da nicht sehr weit aus dem Kirchturm?
Ich wollte damit sagen, dass Apolda nicht nur die Stadt der Dobermänner, Glocken und Socken ist, sondern auch etwas Modernes in Bewegung bringt. Die von mir mit gegründete Apolda Avantgarde ist das beste Beispiel dafür. Und die Glockengießertradition in dieser Stadt ist weltumspannend. Wir holen sie aus dem Museum.
Sie sind quasi der Glöckner von Apolda?
Ich bin der Initiator des Weltglockengeläuts. Nach 1999 und 2003 veranstalten wir es zum dritten Mal.
Alles schwingt - wie muss man sich das vorstellen?
Nehmen wir den Beitrag aus der heimischen Region, die Komposition "Von Glocke zu Glocke". Da werden die Töne der Geläute in Weiden, Großromstedt, Rannstedt und Rastenberg kunstvoll miteinander verbunden. Zwei Tänzerinnen lassen sich choreografisch inspirieren, und die Musiker Frieder W. Bergner, Silke Gonska und Gert Anklam haben zu den Glockentönen eine Auftragskomposition geschaffen.
Können Glocken tatsächlich im Tango-Takt läuten?
Das wird sich am Sonnabend zeigen. Ich lehne mich mal so weit aus dem Turmfenster, dass ich sage: Ja. Dieses Glockenspiel wurde 1930 von Schilling & Söhne in Apolda gefertigt, nach Buenos Aires geliefert und hatte dort eine wechselvolle, nicht immer ganz glückliche Geschichte. Erst in den letzten Wochen ist es wieder richtig auf Vordermann gebracht und repariert worden. Nach dem, was wir aus Buenos Aires hören, entwickelt sich das Konzert fast zu einem Staatsakt: Man reißt sich um die Eintrittskarten, um auf der Terrasse Platz zu bekommen. Dort passiert Folgendes: Senor Carlos María Morelli, der beste Glockenspieler Argentiniens, spielt die traditionelle Tango-Melodie "El Choclo" von Àngel Villoldo, und vor der ARD-Kamera tanzt man dazu.
Und Apolda tanzt mit?
Wir verfolgen zum einen die Live-Übertragung aus Buenos Aires auf der Leinwand und sehen davor eine parallele Choreografie des Weimarer Tango-Lehrers Carlos Tapia, der von der argentinischen Band "Sexteto Milonguero" begleitet wird. Das ist gewissermaßen die Apoldaer Antwort auf Buenos Aires. Wenn der Zuschauer sich nicht mehr sicher ist, ob er sich in Apolda oder in Buenos Aires befindet, also die räumliche Differenz keine Rolle mehr spielt, ist der Akt gelungen.
Da zieht wohl ganz Apolda an einem Glockenstrang?
Die Beteiligung der Apoldaer ist höchst erfreulich: Viele Läden haben extra geöffnet, und auf einer von den Händlern gestalteten Glockenmeile gibt es das Apoldaer "Weltglocken-Pils", den "Glocken-Eisbecher", "Glockenzauber-Tee", ein Glocken-Collier der Goldschmiedin Monika Lischker und eine Glockenausstellung in der Volksbank.
Wer am Sonnabend nicht in Apolda dabei sein kann, wie bekommt er das Geläut dennoch mit?
Indem er sich zu Hause bequem auf die Couch legt und MDR-Fernsehen einschaltet. Wer außerhalb des MDR-Sendegebiets wohnt - zum Beispiel die Menschen in Buenos Aires, Boston oder Kathmandu -, versammelt sich am besten vorm Computer oder im Internet-Café und schaut sich das Ganze als Live-Streaming an. Und für den Rest der Menschheit wird Salve-TV in den kommenden Tagen Rückblicke auf Teile der Veranstaltung im Fernsehprogramm und auf seiner Internetseite platzieren. Das ist eigentlich nichts Exotisches. So, wie die Glocke einmal das lauteste Instrument war, um akustisch Räume zu überbrücken, so haben wir heute die Mittel, virtuelle Räume zu durchdringen. Glockentöne verbinden.
Sie nannten Kathmandu. In der Hauptstadt von Nepal hängen doch gar keine Apoldaer Glocken.
Das ist richtig. Wir vertreten ja auch keinen lokal-folkloristischen Fundamentalismus, dass wir sagen: Du hast zwar eine Glocke, aber die ist nicht aus Apolda - also raus aus dem Konzept! Es gibt genug Apoldaer Glocken in der Welt, die agieren. Aber auch andere Regionen können einen Beitrag zur globalen Glockenkultur leisten. Diese Einladung wurde von Künstlern aus Kathmandu und aus Lützelflüh im schweizerischen Emmental besonders einfallsreich aufgenommen. Sie glauben nicht, was Apolda in Nepal für einen Klang hat! Lesen Sie mal die heutige Ausgabe der "Kathmandu Post"!
Was steht drin?
Sinngemäß, dass Apolda die Schaltzentrale der globalen Glockenkultur ist - zumindest für die nächsten 24 Stunden. Und wenn das eine Botschaft ist, die man in Nepal, Argentinien und anderswo in der Zeitung lesen kann, können wir hier zufrieden sein.
Sonnabend, ab 14 Uhr, Stadthaus, Lutherkirche, Marktplatz; MDR-Fernsehen überträgt 15.15 bis 16.30 Uhr live; Internet: www.mdr.de; www.apoldaglocken.de
Die Prozession vom Dach der Welt
Zum Nachklang-Konzert im Garten des Glockenmuseums von Apolda,
heute, am 12. August, strahlt die Sonne mit herrlicher Kraft und
Ausdauer über Land und Leute, so wie sie es gestern auch fast
überall auf der Süd- und Nordhalbkugel getan hat, quer durch
Zeitzonen, Kulturen, Längs- und Breitengrade, allerdings mit der
kleinen Ausnahme, dass es auf dem Marktplatz von Apolda abwechselnd
in Strömen regnete, goss oder schüttete. Dennoch: Alle angekündigten
Live-Schaltungen des MDR haben hervorragend geklappt, und wer dabei
war, sei es in Apolda, im Fernsehen, im Internet oder auf den
angeschlossenen Glockenfesten, konnte sich auf eine atemberaubende
Klangreise zwischen Apolda, Dresden, Magdeburg, Lützelflüh, Rom,
Kathmandu und Buenos Aires mitnehmen lassen. Im weiteren
Programmverlauf kamen dazu: Die Buchenwaldglocke, die
Glockenkomposition „Russian Bells“ von Hans Tutschku, ein
Schwarzweißfilm von 1924 über den Transport der St. Petersglocke von
Apolda zum Kölner Dom, Glockengrüße aus Dar es Salaam (Tansania) und
Tanunda (Australien), sowie ein Live-Telefonat bei Pater Tomász
O’Donnel in Mercedes, Argentinien, samt Einspielung des
Glockenspiels in der dortigen San Patricio Kirche. Nicht zu
vergessen die Tango-Gala von Sexteto Milongeuro, als der Regen in
Apolda endlich nachgelassen hatte und das abschließende Konzert von
Andreas Max Martin und Band.
Einer der gänsehauterzeugendsten Programmpunkte des Apoldaer
Weltglockengeläuts war sicher die Live-Schaltung nach Kathmandu. Um
sich zu vergegenwärtigen, was für eine beeindruckende, großartige
Prozession vom Dach der Welt Salil Kanika dort vor die Kamera
geführt hat, sei hier seine begleitende Mail von gestern früh an
Micky Remann zitiert:
GOOD MORNING and a GOOD WISHES and GREETINGS for the GRAND
SUCCESS of the dream project!! About the choreography, i will start
like this:
1. As soon as we connect, i will greet you and tell you in about
half minutes in a typcial Nepali pronounciation about the Nepali
bell and i will try to make it a little bit humorous to break the
stress.
2. Then we can talk. I will tell about Kathmandu and Swoyambhu very
shortly.
3. As you translate, I will then gesture my volunteers to start the
performance.
4. As the procession walks up towards me from behind, I will start
telling you about them one by one. I will keep a little pause as
they perform so that you can translate to the Apolda and tv
audience. In the queue by order,
- ASHOK and DEEPAK BUDDHACHARYA (priests)
- TAMANG SHAMANS
- BUDDHIST MONKS
- NEWARI MUSICIANS
- GANDARVA MUSICIANS
- YOUNG NEPALI ARTISTS
- AUDIENCE with NEPALI BELLS
5. As all of them arrive and we see their performance, I will then
start my BELL DANCE in front of them all. I will do it very quickly
and then ask ALL to join with my rhythm and then this is the time we
say HELLO APOLDA!! First I will say “hello Apolda” to give sign to
the audience that we are going to say it now and all will join. I
think this should do well for SEVEN MINUTES of air time.
NOTE:
There are about TEN Young Nepali artists who are painting today
whole day with the theme of BELLS. It would be nice to mention them
too. I will later organise a good exhibition in downtown gallery as
a fund raising exhibition for Earthbeat. Also, many poets are on the
festvial and I have requested them that if they fell inspired please
write a poetry about bell or anything that can relate to the Global
Bell Concert.
OK, I have prepared some reference for you (just a draft, not a
final text):
ASHOK and DEEPAK BUDDHACHARYA (priests) are the two brothers who are
the direct descendents of the priest family caretaking Swoyambhu
Stupa and shrines for the past 1600 years or even longer. Their
affiliation as the chief priest is passed down from generation to
generation. Today Priest Ashok is praying the Mantra or the sacred
chant of 'Swoyambhu - the self arising Buddha' to wish good luck,
good health and pure bliss of knowledge to all the participants and
organisers of the Apolda Global Bell Concert. This is a spiritual
'hello' to everyone from all of us here in Kathmandu enjoined by the
sacred flame, aromatic insence and the technological wonders of live
television cast from bell to bell...
TAMANG SHAMANS. Tamang are the Tibeto-Burman descent people whose
culture thrives on the north-east belt of Nepal in the lap of the
Himalayas. They are very humble and sincere individuals with a high
respect to nature and their ancient cultures. Today, Shamans from
this Tamang community are participating in the bell festival with
their traditional attire and typical gestures of trance. They have
come from the northern hills of Kathmandu from Nagarkot. The shamans
do not show any prejudices between the poor or rich, cast or color,
language or nationality, religion or sect. The shamans have their
own personal paraphernalia, sacred objects, drums, sacred chants and
dances. The shaman, when inspired by the tutelary deity or their
power animal, dance to inspiring spirit rhythms as they journey to
the three levels of existence. This is often done to retrieve lost
souls.
Shamanic practitioners are found throughout Nepal and are called,
"Dhami" or "Jhankri". These terms are used interchangeably. Before
the introduction of modern medicine people depended on the shamans
in case of disease, drought, floods, infertility, family and
community disputes, appeasing deities, (calming the wrathful and
malignant spirits), conducting household and community ceremonies,
advising the villagers on local problems, and in some cases
accompanying the souls of the dead to different realms. Many of the
shaman's role has now been taken over by Brahmin priests and
Buddhist monks, however, in some ethnic groups they still are
consulted. Until the opening of Nepal to foreign scholars, in the
1950, the mysterious Himalayan shaman was not known to the outside
world.
The period of the full moon in July/August is especially holy
throughout Nepal. The holiest day in this period is called Janai
Purnima. It is a day of initiation for shamans who gather in their
sacred regalia of peacock feathered headdresses, bells, white frocks
and colorful head scarves, do their sacred dance while drumming the
beat of the "Shaman's Song," and perform ritual to honor the deities
and receive an initiation from their guru.
NEWARI MUSIC: The Newars are very much rich in traditional,
classical and folk music as in dances. Various music and dance
events take place in different parts of Newar societies on the
occasion of different festivals. In fact, the Newars are so duly
intermixed with music and dances that not a single festival, feast
or ceremony, 'from womb to tomb', passes without a music or music
and dances. Today a small group led by Rameshwor Maharjan who is the
founder of NASAA Newari music group are participating in the Bell
festival to display their rhythm and bell. Various songs, musical
instruments and dances are connected with various religious, social
and cultural life of the Newars Different musical instruments are in
practice in the festival, feasts, ceremonies and also in funeral
procession. Gan-Gan or a bell play a vital role in ceremonial
worships such as Shradh, Janko, Ihi and so on. There are various
types of bells in practice: Big, Small, Wind bell, Bajra Ghanta, for
instance.
SALIL SUBEDI KANIKA is a multiform artist performing today an
improvised Bell Dance symbolising all kinds of bells and movements
to bring the essence of the Swoyambhu Prayers, Shamans, Newari
performers and most importantly the spectrum of Nepali bells. He is
clad in a garland of Bell made by the young artists who are also
doing a painting workshop simultaneously during this festival.
Salil's root instrument is the didgeridoo and he will improvise with
the sounds and rhythm of the existing space and time momentum.
The AUDIENCE: The audience represents a mix of Nepali artists,
musicians, writers, performers, journalists, and people from all
walks of life who have come to say hello to the people of Apolda.
They all are holding the typical Nepali bell which they use to do
puja - ritual, at their homes. They want to wish good health and
spirits to the people of Apolda and the rest of the world playing
the Nepali bell to resonate its essence.
KATHMANDU: is situated in a bowl shaped valley in central Nepal. The
Kingdom extends about 885 km. east to west and 193 km. in width
north to south. The entire terrain is like a steep incline,
descending from the icy Himalayan heights to the hot Terai flatland
within a short distance. The city of Kathmandu was built by king Gun
Kamdev in 723 A.D. Kathmandu is the capital of the kingdom, situated
in a valley which is an open air museum of famous sites, ancient
temples and shrines, golden pagodas and are inspiring deities, is a
city of inexhaustible historic artistic and cultural interest.
Several beautiful and interesting villages and towns surrounding the
valley offer ideal destinations for mini treks. The dazzling
Himalayan peaks are visible from several points on the mountains
around the valley.
SWOYAMBHUNATH STUPA. The site where we shot the cover photograph for
our film "imagine rainbow in kathmandu" (Salil Kanika with Thomas
Bertschi). “Swayambhu Nath” means “self-emergence, not caused by any
force”. This most fascinating architectural jewel was built around
250 B.C. Its main feature is a white dome, identified with a
spotless pure jewel of Nirvana and a thirteen tiered golden spire in
conical shape surmounted on the dome. Underneath this towering
structure are a pair of all seeing eyes of Buddha painted on all
four sides of the Stupa. The Stupa sits on a typically stylized
lotus mandala base - believed to have originated from a legendary
lake of Kathmandu Valley.
According to the ancient legend, Kathmandu Valley was a lake. Right
in the centre of this lake was a full blown lotus with the divine
light on top. When Maha Manjushri a Boddhisattava saint from China
heard about this he made a journey to the Valley. After much
negotiation with the Naga (Serent) gods, he broke open the southern
rim of the valley with his divine sword. The cleft made by the sword
drained the entire lake water making the valley floor open for a
close up view of the divine lotus light.
This holy site in fact is the most massive stupa complex ever built
in Nepal. Hundreds of votive shrines and other historical monuments
built in and around this stupa speak a lot about the significance
and antiquity of this famed stupa. There are 360 steps leading to
the top where the most venerated Swayambhu Stupa stands - commanding
a magnificent view of Kathmandu Valley and the breathtaking panorama
of the north eastern Himalayan range.
Links nach Argentinien
Das Apoldaer Weltglocken-Blog Team ist noch etwas erschöpft vom Auf- und Abarbeiten des regionalen und internationalen Nachklangs auf das große Ereignis. Hinzu kommt, dass die Tango-Musiker des grandiosen Sexteto Milongeuro ihrer Bühnenshow in Apolda noch eine spontane Jamsession in der Apoldaer LiteraturWeinstube (LiWei) haben folgen lassen, bis anch Mitternacht, worauf sich dann eine noch spontanere, thüringisch-argentinische After-Show & Tango-Bell Party in einer Weimarer Privatwohnung entfaltete, die erst früh am Sonntag nach 6 Uhr ein Ende fand.
Darum begnügen wir uns heute mit der freundlichen Verlinkung zu renommierten argentinischen Zeitungen und was die über das Weltglockengeläut berichtet haben. (Leicht zu verstehen, für alle die Spanisch können oder sich mit Rest-Latein Kenntnissen und Sprachgefühl durchwursteln können) :
http://www.clarin.com/diario/2007/08/12/laciudad/h-05401.htm
http://buscador.lanacion.com.ar/Nota.asp?nota_id=933727&high=carill%F3n
http://www.clarin.com/diario/2007/08/09/laciudad/h-04901.htm
http://www.lanacion.com.ar/informaciongeneral/nota.asp?nota_id=932894
Alle
Glocken führen nach Rom?
Im vielfältigen Spektrum der Glockenkultur liefert das Geläut der
evangelischen Christuskirche im katholischen Rom einen besonderen
und zwar ökumenisch geprägten Beitrag, der bei der Live-Schaltung am
11.08. durch die Klang-Choreografie „East-West Bells“ von Roberto
Laneri und Betty Lo Sciuto in dem wunderbaren Kirchenraum wunderbar
zur Geltung kam.
Im voran gegangenen Gespräch mit Vikar Andreas Schulz konnten man
auch erfahren, dass die Glocken wegen gravierender Schäden am
Glockenstuhl derzeit ruhen. Gut, dass kurz vor der Stilllegung noch
eine Tonaufnahme gemacht werden konnte, die bei der Zuspielung zum
Apoldaer Weltglockengeläut und bei der musikalischen Bearbeitung
verwendet werden konnten.
Ausführliches zum römischen Geläut, zu seinen Wurzeln in Wittenberg,
und wie man die Reparatur unterstützen kann, ist auf der Website
www.glockenfuerrom.de zu erfahren, aus der wir hier zitieren:
Das denkmalgeschützte Glockengeläut der Christuskirche
Die drei Bronzeglocken wurden, wie die anderen Ausstattungsstücke
der Christuskirche auch, gestiftet. Bereits 1905 hatte sich der
Gustav-Adolf- Frauen- und Jungfrauenverein Wittenberg, gemeinsam mit
den anderen Gustav-Adolf-Frauenvereinen der Kirchenprovinz Sachsen,
bereit erklärt, für die Kosten des Geläutes aufzukommen. Im Jahre
1913 erhielt die damalige Hofglockengießerei Franz Schilling Söhne
in Apolda den Auftrag, die 3 Bronzeglocken zu gießen. Die gegen
Jahresende 1913 gefertigten Glocken wurden nach Beginn der
Glockenstuhlmontage am 17. und 18.06.1914 in den Turm der
Christuskirche aufgezogenen. Nach ihrer Montage im Stahlglockenstuhl
wurden sie in Anwesenheit Pfarrer Dr. Schuberts und des bauleitenden
Architekten probegeläutet. Seit der Einweihung der Christuskirche am
05. November 1922 läuten die Glocken regelmäßig.
In beiden Weltkriegen wurden die Bronzeglocken in den Jahren 1917
und Jahre 1940 im Deutschen Reich zu Rüstungszwecken beschlagnahmt.
Das betraf vor allem auch das umfangreiche Schaffen der damals sehr
geachteten Hofglockengießerei Franz Schilling Söhne. So wurden z.B.
im Bereich der Ev.- Luth. Landeskirche Sachsens die von Schilling im
Zeitraum von 1878 - 1939 insgesamt 115 komplett gegossenen Geläute
durch diese Glockenbeschlagnahmen bis auf 2 zerstört. Nur das große
Geläut der Kreuzkirche Dresden von 1899 und das Geläut in Lauter von
1928 blieben erhalten. So gesehen bilden die 1913 von Schilling in
Apolda einheitlich gegossenen historischen Bronzeglocken der
Christuskirche ein ganz besonders kostbares und sehr seltenes
Geläut.
Hervorzuheben ist, dass die Ikonographie des Geläutes vom
Architekten der Kirche, wie andere wesentliche Teile der Ausstattung
auch, entworfen und die Umsetzung in Reliefmodelle für die Gießerei
einem bedeutenden Bildhauer übertragen wurden. So tragen die
„lutherischen" Glocken die gleiche einheitliche künstlerische
Handschrift wie Altar, Taufstein und Taufschale.
Der gegenwärtige Zustand des Glockenstuhls
Nach fast auf den Tag genau 93 Jahren Standzeit zeigt der stählerne
Glockenstuhl durch Witterungseinflüsse in Kombination mit den
eingetragenen Lasten aus dem Glockenläuten und ungünstiger
Konstruktion (geringe Abstände zwischen den Profilen) sowie geringer
Pflege Korrosionsschäden und Deformationen in einem schlimmen
Ausmaß. Alle für die Lasteinleitung durch das Glockenläuten
entscheidenden Bauteile, wie die vier Fußpunkte des Stuhles, die
Querschwellen der oberen Etage und Fußpunkte der hochbelasteten
mittleren Stuhlwand der oben hängenden Glocken 2 und 3, sind durch
Treibrostbildung zerstört.
Nach der früher erfolgten Stilllegung der Glocke 1 musste, ausgehend
von fehlender Standsicherheit und Belastbarkeit des Glockenstuhles,
auch noch für die Glocken 2 und 3 sofortiges Läuteverbot zur
Abwendung unkalkulierbarer Schäden und Gefahren ausgesprochen
werden.
Die an der Instandsetzung Beteiligten werden sich bemühen, dass
möglichst bald die lutherischen Glocken Roms ihr verordnetes
Schweigen aufgeben, wieder zur Ehre Gottes läuten und die Menschen
freundlich zu Gottesdienst, Andacht und Gebet mit ihren dann
wohlklingenden Stimmen einladen können.
(Dr. Rainer Thümmel, Sachverständiger für Geläute und Turmuhren)
Eine Aufnahme des Geläuts können Sie
hier hören - leider nur den
Klang des bereits beeinträchtigten Geläuts vom April diesen Jahres.
Die Kirche und vor allem ihr Geläut war im Rahmen des Apoldaer
Weltglockengeläut 2007 im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zu sehen.
Wir danken
Roberto Lanieri und
Betty Lo Sciuto, die den Klang
unserer Glocken dabei musikalisch und tänzerisch interpretiert
haben.
Bilder
aus Kathmandu
Liebe Weltglockenfreunde, dear friends of global bell culture, der
heutige Text ist denkbar kurz: Please look at the amazing photos of
the Nepali bell ceremony on Salil Kanikas website … und schauen Sie
sich die fantastischen Fotos vom Glockenbeitrag aus Kathmandu an,
die Salil Kanika auf seine Homepage gestellt hat :
http://www.salilkanika.com.np
Nachklang in Argentinien
Ein Interview mit Christina Hirschberg
Von Sofia Shabafrouz
Anfang der 1930er Jahre wurden gleich zwei Apoldaer Glockenspiele
nach Argentinien geliefert: Eines für das Stadtparlament in Buenos
Aires, das andere für die irische Kirche „San Patricio“ in Mercedes,
120 km entfernt von der Hauptstadt. Am 11. August 2007 nahmen beide
Glockenspiele am Apoldaer „Weltglockengeläut 2007“ teil.
Was geschah
am 11. August in Buenos Aires?
Im letzten Augenblick waren die
Reparaturen am Glockenspiel in Buenos Aires fertig geworden. Es war
ein strahlend blauer Himmel bei nur zwei Grad plus, was sehr kalt
für Argentinier ist. Der Tangotänzer Fabrizio Forti und seine
deutsche Tanzpartnerin Susanne Lorenz froren und waren froh, als sie
endlich live zu der Musik des Glockenspiels tanzen durften. Auf dem
Dach des Stadtparlaments befanden sich drei Kameras und fünfzehn
Mitarbeiter der Fernseh-Liveschaltung, die alles koordinierten. Der
Ü-Wagen parkte direkt vor dem Stadtparlament und übertrug das
Geschehen live nach Apolda und in alle Welt. Zum Glück regnete es
nicht wie in Apolda, sonst hätte der Carillonneur Carlos María
Morelli gar nicht den Weltglockentango „El Choclo“ auf dem
Glockenspiel spielen können. Bei Regen und Wind geraten nämlich die
Glocken in Eigenschwingungen, Nässe gefährdet außerdem die
Elektromechanik des Instruments.
Kamen viele Zuschauer auf dem Dach
des Stadtparlaments zusammen?
Oh, ja. Es waren fast 200 geladene
Ehrengäste anwesend, die den Internet-Livestream des MDR auf einer
Großleinwand in einem Saal verfolgten und jubelten, als sie ihr
eigenes Glockenspiel sahen. Währenddessen hatte Verena von
Schönfeldt, die deutsche Moderatorin in Buenos Aires, alle Hände
voll auf dem Dach des Stadtparlaments zu tun.
Du hast diesen Kontakt
zu Argentinien hergestellt und an allen Fäden gezogen, damit das
Glockenspiel wieder erklingt und am 11. August in Apolda und der
ganzen Welt zu hören war. Was war besonders schön für Dich an diesem
Moment?
Es hat mich gefreut, alle Bekannten aus Buenos Aires live
auf der Großleinwand auf dem Marktplatz von Apolda wieder zu sehen:
Den Architekten Hugo Sanchez, der die Restaurierung des
Glockenspiels geleitet hatte, Carlos Morelli und Verena von
Schönfeldt, die die Liveschaltung vorbereitet hatte. Sie alle hatten
mit mir für die Teilnahme des Glockenspiels am Apoldaer
„Weltglockengeläut 2007“ gekämpft. In diesem Moment, hatte sich die
ganze Mühe gelohnt, die Glockenmission war geglückt. Plötzlich
sprühte die Hauptstadt vor Stolz auf ihr historisches Kulturgut und
organisierte einen Festakt im Stadtparlament. Und all das haben wir
in Apolda natürlich gespürt.
Hatten denn die Einwohner von Buenos
Aires auch etwas davon?
Ja, denn der Tango wurde eine Stunde später
noch einmal live für die argentinische Öffentlichkeit im
Stadtparlament aufgeführt. So kamen sich Liveschaltung und Festakt
nicht in die Quere. Das Tangopaar tanzte ein zweites Mal „El
Choclo“, und das Publikum drängte sich auf der Pergola des Gebäudes.
Ein Jahrzehnt lang hatte das Glockenspiel nicht mehr in der
argentinischen Hauptstadt geklungen, kaum jemand erinnerte sich noch
an seinen schönen Klang. Daher auch die Euphorie der Stadtbewohner
von Buenos Aires.
Gibt es Nachschwingungen des Glockenspiels seit
dem 11. August?
Es ist dabei, Teil des akustischen Stadtbildes von
Buenos Aires zu werden. Momentan spielt der Organist Morelli jeden
Tag – von Montag bis Freitag um 18 Uhr – live ein Stück auf dem
Glockenspiel. Letzte Woche hat er „Torna a Surriento“ als Hommage an
den verstorbenen Sänger Pavarotti aufgeführt. Das Glockenspiel ist
präsent in der Innenstadt rund um den „Plaza de Mayo“.
Wie kann man
sich das vorstellen?
Sobald es abends erklingt, versammeln sich
viele Angestellte des Stadtparlaments auf der Pergola, Passanten
verweilen in der Straße und lauschen nach oben. Eine schöne
Ablenkung von der Arbeit oder ein Konzert beim Einkaufen. Jeden Tag
finden Führungen durch das Gebäude statt, jetzt steht das
Glockenspiel wieder fest auf dem Programm. Vor allem Schulklassen
und Touristen sollen das Instrument bestaunen können: Dreißig
Glocken, 27 Tonnen schwer ... für Südamerika eine Kuriosität. Es
sieht ganz danach aus, als würde sich endlich eine Kontinuität mit
dem Apoldaer Glockenspiel in Buenos Aires ergeben.
Und was gibt es
Neues aus Mercedes zu berichten?
Da befindet sich doch das zweite
Glockenspiel aus Apolda? Stimmt, in der Provinzstadt Mercedes gibt
es ein etwas kleineres Glockenspiel mit 24 Glocken in der irischen
Kirche „San Patricio“. Die Gemeinde ist sehr stolz darauf. Schon vor
der Teilnahme am Apoldaer „Weltglockengeläut 2007“ wurde das
Glockenspiel zum Klingen gebracht. Am 9. Juli, dem argentinischen
Unabhängigkeitstag, strömten die Einwohner von Mercedes und viele
Touristen in die Kirche. Rodolfo Ciminelli, seit 23 Jahren Organist
der Kirche, spielte die argentinische Nationalhymne auf dem Apoldaer
Glockenspiel. Es wurde dazu gesungen, und alle staunten, wie schön
das Instrument klingt.
War Mercedes auch live im Fernsehen zu sehen?
Nein, leider nicht. Die Sendezeit war zu knapp. Doch war Mercedes
teil des Bühnenprogramms in Apolda. Der irische Pater Tomás
telefonierte live mit Micky Remann, wir sahen ein Video vom Konzert
des Organisten Rodolfo Ciminelli: Er hatte ein historisches Stück
namens „To the sacred heart“ nach originalen Notensätzen von Prof.
Becker gespielt. Die Partitur war extra für das Glockenspiel in
Mercedes in den 1930er Jahren geschrieben worden. Erst jetzt zum
75-jährigen Jubiläum – das Glockenspiel wurde 1932 nach Mercedes
geliefert – ist die Partitur über Margarete Schilling und mich nach
Argentinien gekommen. Das war eine große Überraschung für Mercedes.
Du warst also auch dort Glockenbotschafterin?
Ja, und jetzt finden
regelmäßig Konzerte statt. Es freut mich, dass das Weltglockengeläut
immer wieder Menschen zusammenbringt: Der Glockenspieler Carlos
Morelli aus Buenos Aires tauscht sich seit Neuestem mit Rodolfo
Ciminelli aus Mercedes über die argentinischen Glockenspiele aus.
Vielleicht fährt bald Morelli nach Mercedes und gibt mit Ciminelli
zusammen ein Glockenkonzert.
Eine neue Glockenkultur in Argentinien.
Was geschieht in vier Jahren beim nächsten Weltglockengeläut?
Das
ist noch nicht geplant. Natürlich werden wieder Glocken in
Schwingungen geraten und Menschen aus aller Welt mit Apolda
verbinden. Vielleicht gehe ich ein zweites Mal auf Reise und bereite
die Teilnahme eines anderen Apoldaer Glockenspiels aus Südamerika
vor. Verrückte Geschichten fallen dem Kurator Micky Remann immer
ein. Es ist mir schon etwas aus „La Paz“ (Bolivien) bekannt ...
lassen wir uns überraschen. |